|
Köhler und Waldschmiede im Vogelsberg
„Die Vogelsberger sind reich. - Steinreich!“ Wenn man bedenkt, dass heute noch auf einer Fläche von 2.400 qkm, dem Gebiet des nach jahrtausendelanger Abtragung übrig gebliebenen Restvulkans, immer noch rund 5 Milliarden cbm Basalte lagern, kann man dieser wohl meist etwas scherzhaft gemeinten Bemerkung ohne Einschränkung zustimmen. Blättert man in alten Sagensammlungen, findet man oft Berichte über vergrabene Schätze. Wenn dort auch von Gold, Silber und Edelsteinen die Rede ist, so dürften damit doch die für das Gebirge typischen Bodenschätze angesprochen werden. Nicht der normale Basalt ist gemeint, vielmehr der viel wertvollere Basalteisenstein, dessen Erz man zur Herstellung von Eisen benötigte.

Bild: Basalteisenstein aus dem Hohen Vogelsberg
Die Basalteisenerze des Vogelsbergs entstanden noch im Tertiär, als unter Einfluss tropischen Klimas eine tiefgründige Zersetzung des Basaltes erfolgte. Der Eisengehalt des Gesteins ging dabei zu großen Teilen in Lösung, wurde umgelagert und setzte sich bei stärkerer Konzentration als Basalteisenstein in Nestern, Rolllagern oder als Schnüre ab. Man sammelte die Erze oberflächlich als „Lesesteine“ oder suchte sie oberflächennah durch die Anlage kleiner Schächte und Stollen.

Bild: Basalteisenstein aus dem östlichen Vogelsberg
Eingesammelte Basalteisensteine wurden in Schmelzöfen weiter verarbeitet. Man nennt sie Rennöfen. Die in diesen Öfen mit Hilfe von Holzkohle erreichte Hitze reichte aus für eine Feststoffreduktion, eine Reduktion des Eisenerzes zu Eisen. Nicht das Eisen wurde flüssig, sondern die Schlacke. War das geschehen, stach man den Ofen an und ließ die flüssige Schlacke herausrinnen (daher der Name Rennofen).

Bild: Rennofenschlacke von einer alten Schlackenhalde im Hohen Vogelsberg
Wenn Sie die Bilder etwas größer sehen möchten, bitte anklicken!
|